Bolivia
Nach Cuzco war unsere erste Station Copacabana am Titicacasee, wo wir dann auch gleich ins Boot gestiegen sind um zur Isla del Sol, der größten Insel im See, zu fahren. Ich mach es kurz: die Landschaft ist wunderschön, wenn auch ganz anders als bei Machu Picchu, der Sonnenuntergang war blau, die Nacht kalt und die Menschen sind unfreundlich. Die Leute dort scheinen den Tourismus nicht so richtig zu mögen oder zu verstehen. Sie verlangen zwar Geld für Alles (z.B. verlangten sie auf einem Wanderweg vom Norden zum Süden der Insel – 3h zu Fuß – an 3 verschiedenen Stellen Wegzoll) bieten aber überhaupt gar keinen Service. Und mit Service meine ich nicht, dass sie mir das Frühstück ans Bett bringen sollen, sondern es wäre schon schön, wenn die Verkäuferin vom kleinen Hamburger-Stand an der Straße einfach nur normal mit mir reden würde wenn ich einen Hamburger bestelle und frage wieviel er denn kostet.
Wir sind auch später in Bolivien noch ein paar Mal dumm angemacht worden, nur weil wir was zu essen wollten – ist ‘n komisches unzufriedenes Völkchen.
Naja, wir haben dann dort eine Nacht in einem schäbigen “Hostel” übernachtet und sind dann am nächsten Tag vom Nord-teil in den Süden gelaufen um dann dort das Boot zurück nach Copacabana zu nehmen. Und wie gesagt, die Landschaft ist auf jeden Fall einen Besuch wert.
Von Copacabana gings dann direkt weiter nach “Nuestra Señora de La Paz” (dt: Unsere Frau des Friedens), kurz “La Paz”, dem Regierungssitz Boliviens – Hauptstadt ist das kleinere Sucre. Um die Stadt kurz zu beschreiben: Chaos! Unser Fahrer ist fast verrückt geworden bei der Suche nach einem Hostel. Um kurz auszuholen: die Argentinier fahren wie die Sau ohne jegliche Rücksicht. Die Peruaner sind aber noch schlimmer und drücken außerdem ständig auf die Hupe. Danach kommt dann Bolivien, wo sich Autos, Menschen, Busse, Motorräder und Lkws einfach nur irgendwie vermischen. Man sollte also immer mit mindestens 4 Augen, 4 offenen Ohren und einem guten Einschätzungsvermögen für Geschwindigkeit unterwegs sein. Um heil anzukommen fehlt es dann nur noch an Glück oder göttlichem Beistand (in der Tat hat fast jedes Taxi nen Aufkleber der soviel sagt wie: “Gott fährt mit!”; dazu bekreuzigt sich der Fahrer bei der Abfahrt). Wenn auch knapp, aber wir haben überlebt!
In La Paz waren wir insgesamt 4 Nächte und haben die Tage mit Einkaufen, Cholitas Wrestling, im Coca-Museum und auf der gefährlichsten Straße der Welt verbracht. Die gefährlichste Straße der Welt – auf spanisch heißt sie “el camino de la muerte” (dt: die Straße des Todes) – ist deshalb so gefährlich, weil sie an vielen Stellen gerade so breit ist wie ein Fahrzeug und direkt neben der Straße es bis zu 500m runter geht. Als sie noch die einzige Verbindungsstraße auf dieser Strecke war (bis 2006) sind dort im Schnitt jährlich 100 Menschen gestorben – natürlich gab es weit aus mehr Unfälle. Seit 2006 wird sie hauptsächtlich von Touris auf dem Mountainbike befahren, ist aber immernoch auch für den normalen Verkehr geöffnet und ab und zu nutzt sie auch ein Lkw-Fahrer, der sich ein paar Kilometer sparen will (die neue Straße ist deutlich länger). Naja, wir sind mit dem Fahrrad runter und es war ein rießen Spaß! Und keiner ist gestorben – von unserer Gruppe ist nicht mal einer gestürzt!
Nach La Paz blieb uns dann nur noch eine interessante Stadt: Potosí.
Dort gibt es aber auch nur eine wirklich interessante Sache, die Silberminen. Potosí gilt als die höchst gelegene Stadt der Welt (4000m), hat aber seine goldenen bzw. silbernen Zeiten schon lange hinter sich. Zur Zeit als die Spanier hier reines Silber in großen Mengen aus dem Berg holten, hatte Potosí eine größere Bevölkerungsdichte als z.B. Paris oder New York. Heut bringen die armen Kumpel nur noch Gemische verschiedener Gesteine aus den Minen, können sich damit zwar gut ernähren, aber haben auch ein beschissenes Leben. Der Junge, mit dem wir uns im Innern unterhalten haben, ist in meinem Alter, sieht aber deutlich älter aus – und hat auch schon 5 Jahre in der Mine auf dem Buckel.
Nachdem wir kleine Geschenke (Coca-Blätter, 96%-Alkohol, filterlose Zigaretten, Saft und Handschuhe) sowie Dynamit gekauft hatten (bekommt man dort alles in jedem Kiosk) und ins Kauen des Coca-Blattes eingewiesen wurden, durften wir in die Mine. Die Kumpel mit den wir uns unterhalten haben, wollten danach auch nicht mehr arbeiten und haben sich deshalb auf ein längeres Schwätzchen mit ein bisschen Getränk (unser Geschenk) eingelassen. Das Gespräch über die Kumpel, die Minen, das Silber, die Coca-Pflanze und die Religion der Quechuas war brutal interessant, aber irgendwann waren wir alle mehr oder weniger besoffen und beschlossen noch das Dynamit zu zünden und sind dann wieder raus zu gehn.
Wie bereits erwähnt war Potosí unsere letzte Station. Es ging dann zur Grenze und nach Jujuy, wo wir dann wegen Ölverlust an der Kupplung noch eine Nacht bleiben mussten. Als wir dann endlich nachts um halb 4 zu Hause in Córdoba ankamen, wurden wir mit einem Asado (das Fleisch in Peru und Bolivien ist nicht vergleichbar – dort ist man Hühnchen mit Reis) und Fernet (dem cordobeser Standardgetränk gemischt mit Cola und Eis) empfangen. Welch grandioser Abschluss einer unvergesslichen Reise!











Die Reise scheint ein voller Erfolg gewesen zu sein!
Schon allein die Bilder sind echt beeindruckend!
:*
Primita